Wie das Ego unser Beziehungsglück boykottiert

Heute erzähle ich dir, wie unser Ego so manches Mal unser Glücklichsein boykottiert.

Die Geschichte von Klaus

Eine wichtige Erkenntnis durfte gerade einer meiner Klienten so wunderbar erleben und ich teile diese Geschichte (natürlich mit geänderten Namen) mit dir, weil sie so schön plakativ zeigt, wie uns unser verletztes Ego manchmal die Sicht auf die ganze Geschichte versperrt und unsere Beziehungen damit belastet.

Klaus betritt meine Praxis und erzählt mir bestürzt, dass er gestern Großvater geworden ist. Leider hat er keinen Kontakt mehr zu seiner 20-jährigen Tochter, vor längerer Zeit gab es einen großen Streit.

Die Tochter von Klaus hatte sich in einen jungen Mann verliebt und war schon nach kurzer Zeit schwanger geworden.

Die Voraussetzungen für ein Kind waren jedoch nicht optimal, keine fertige Ausbildung, kein eigenes Einkommen und einen Partner ohne Arbeit. Wie sollte dieser Mann, der in den Augen meines Klienten nicht einmal sein eigenes Leben ordnen konnte , für seine Tochter und sein künftiges Kind sorgen.

Mein Klient war in großer Sorge um seine Tochter und um die Finanzen und in Gesprächen mit seiner Tochter kam es immer wieder zum Streit. Er machte ihr deutlich, dass er mit der Wahl des Partners nicht einverstanden war. Sie sei viel zu jung und es wäre leichtsinnig bereits in so jungen Jahren ohne gesicherte Existenz und mit so einem Mann ein Kind in die Welt zu setzen.

Und er zeigte auch dem Partner seiner Tochter deutlich, dass er sich für seine Tochter etwas Anderes (Besseres) vorgestellt hatte. Klaus lehnte den jungen Mann ganz offen ab.

Es kam zum Bruch zwischen Klaus und seiner Tochter und der Kontakt ist bereits seit Monaten abgebrochen, man sprach nicht mehr miteinander.

Dass Klaus seit heute einen Enkel hat, setzt ihm emotional schwer zu, denn auch diesen wird er unter den zerrütteten Umständen momentan nicht sehen können.

Während wir sprechen wird offensichtlich, dass es auch noch andere Bereiche gibt, in denen Klaus verärgert und traurig ist.

Klaus hat vor zwei Jahren seine heutige zweite Ehefrau kennengelernt. Damals geschieden und wieder frisch verliebt schien seinem Liebesglück nichts mehr im Wege zu stehen. Er hatte eine gute Anstellungsposition  und machte seiner neuen Liebe einen Heiratsantrag, die ihn freudig annahmen.

Da ihm der Job in der Firma ohnehin nicht mehr so gut gefiel, kam es Klaus ganz recht, dass ihm eine Vertragsaufhebung gegen Abfindung angeboten wurde. Er nahm dieses Angebot an und freute sich darauf, sich ohne Druck neu orientieren zu können und wollte mal eine längere Auszeit mit seiner neuen Liebe genießen.

 Jede Geschichte hat mehrere Perspektiven

Dann erzählt er mir empört und wütend von einer Begegnung mit seinem angehenden Schwiegervater. Bei einem späteren Kaffeebesuch nahm ihn sein Schwiegervater zur Seite und ließ ihn deutlich spüren, dass er sich für seine Tochter etwas Besseres vorgestellt hatte und dass er mit der Wahl seiner Tochter nicht einverstanden war, schließlich würde Klaus arbeitslos sein und seine Tochter hatte Besseres verdient.

Klaus ist, während er mir von diesem Erlebnis erzählt, das mittlerweile mehr als ein Jahr zurückliegt, noch immer stark erregt und empört über so viel Respektlosigkeit.

 Wenn das verletzte Ego erst einmal wütend ist …

Auf meine Frage, was er sich gewünscht hätte, antwortet er:

„Meine Frau ist erwachsen und kann alleine entscheiden, mit wem sie zusammen sein möchte, da hat er sich nicht einzumischen!“

„Er muss akzeptieren, dass wir uns lieben!“

„Er sollte mich nicht verurteilen, er kennt mich noch gar nicht richtig!“

„Nur, weil ich gerade keine Arbeit habe, bin ich kein schlechter Mensch!“

„Er sollte sehen, dass ich seine Tochter glücklich mache!“

 Da habe ich eine Frage …

Ich habe Klaus darauf zwei Fragen gestellt:

1. Gilt eigentlich das, was du von deinem Schwiegervater erwartet hättest, gleichermaßen für deine Tochter und darf der Partner deiner Tochter das gleiche von dir erwarten?

2. Bei all den Sorgen, die du dir als sorgender Vater um das Glück deiner Tochter gemacht hast, kannst du diese Sorgen vielleicht auch verstehen, wenn du dich in die Situation deines Schwiegervaters versetzt, der sich ebenfalls nur das Beste für seine Tochter wünscht?

Es brauchte nur Sekunden, in denen aller Zorn, Wut und Empörung von Klaus abgefallen sind, als er die jeweils anderen Perspektiven wahrnehmen konnte.

Auch wenn hier noch klärende Gespräche zu führen sind, konnte endlich Frieden in die aufgewühlten Emotionen kommen.

 Das Missverständnis

Unsere gefühlte Wahrheit läßt meist die Perspektive der Anderen außer Acht und läßt unser Ego glauben, dass unsere Sicht die einzig richtige ist.

Wenn wir persönlich betroffen sind, nehmen wir leicht ein Recht für uns in Anspruch, die wir anderen gleichermaßen noch lange nicht zugestehen.

Wir nehmen es uns zu Herzen, wenn andere Menschen uns kritisieren oder behandeln, wie wir es nicht erwarten.  Sofort ist unser Ego empört und geblendet von den eigenen verletzten Gefühlen „das darf der nicht tun“ „das macht man nicht“ “ wie kann der nur…“  „So eine Frechheit“ …

Unser Ego ist so mit sich selbst beschäftigt, dass wir die Absichten des anderen gar nicht erkennen können und möchte den vermeintlichen Angreifer (hier den unverschämten Schwiegervater) am liebsten niedermetzeln.

In anderen Fällen handeln wir aus eigener Fürsorge oft gleichermaßen unachtsam Anderen gegenüber. Schließlich wissen wir ja genau, was richtig und falsch, gut und schlecht für die Anderen ist und mischen uns oft ungefragt in deren Angelegenheiten.

 Wie Du Frieden in Deinen Beziehungen machst

Vielleicht magst du überall dort, wo die Harmonie in deinen Beziehungen gerade blockiert ist, mal genauer hinschauen:

  • Wo in deinem Leben erwartest du noch, dass ein anderer sich besser in deine Situation hineinversetzen sollte?
  • Wo erwartest du mehr Rücksicht und Verständnis?
  • Wo verurteilst du die Entscheidungen anderer?
  • Wo bist du mit deinen Ratschlägen und Urteilen in den Angelegenheiten anderer?
  • Kannst du die Sorgen, Ängste und Motive des Anderen erkennen?
  • Welche Emotionen und Gefühle stecken möglicherweise hinter dem „ungünstigen“ Verhalten des anderen?

Ich freue mich über deinen Erfahrungen, hinterlasse mir gerne einen Kommentar.

Alles Liebe für dich

Signatur Jutta Burmeister.

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